Abriss

Nun kannst du erzählen, dass du mich ohne Gewand gesehen hast

Initiation

Ich bin gesprungen, habe es gewagt, das Neckarwasser war sehr kalt, doch der Versuch blieb an und – für sich genommen eine Heiterkeit.

Ich habe mich für mehr Versuche entschieden – nicht, an einem Lebensbuch zu schreiben, was einen Titel trägt wie eine Schleife. Eine Zeile, die alles überschreibt, die meint, ein Faden zu sein, aus dem die Seide gemacht, mit der ich mich kleide. Und wie es begonnen hat mit den Seinen, ich schaue nicht zurück. Ein Kaffeebesuch beizeiten.

Weg

Die Raben flattern über mir, die Möwen kreischen. Der Pfad ist weit, mehrfach entzweit, so suche ich die Abzweige im Außen, fand sie spät in meiner Mitten, meiner Selbst.
Laufen, laufen bis ich mich einrichte, auf einem hohen Berge, weit über der Stadt, in alten Ruinen ist noch ein Zimmer zu finden, welches ich empfehlen kann. Eingeschlossen vom Nebel am Morgen wache ich dort auf zwischen weißen Blumen, atme die gleiche Luft ein wie alle – und doch – ist sie etwas dünner. Wenn ich barfuß laufe, sind meine Füße leichter, auf einem Luftkissen aus nachgiebiger Erde.

Bleiben

Ich bleibe unsichtbar, kurz unter den Wolken. Stört mich nicht, denn die Aussicht ist schön. Ich sehe den Regen und den Schnee schon früher kommen, die Wolken sich türmen, an Vollmondtagen winke ich – oh weh – von hier, feiere die Blitze und wenn es kracht, das Tal erwacht in der Hitze, erwache ich neu und die Welt zu neuer Pracht.

Erklärung

Der Bücher habe ich viele mitgenommen, sie bringen lassen. Ich habe nun Zeit – viel Zeit, das Studium zu beginnen, von dem mich alle DU und alle WIR abgelenkt haben. WIR – das kann auch DU vor ICH heißen und ICH nach DU bedeuten. Eine Rolle spielt einen manchmal zu lange.

Einatmen

Hier sitze ich und singe das Lied der Bäume, die Musiker sind Schmetterlinge, Äste, die knacksen –  Grillen, sie zirpen im Flügel mit. Es summen die Immen, es rauscht der Fluss–und alle schön im Takt.

Der Duft von Lavendel lässt den Schlaf bis alle Bilder fertig sind. Manche sind zum Träumen gemacht / verwunschen.
Jede Möglichkeit soll möglich bleiben, was ein Ende schon im Anfang hat und will man es herzlich schreiben, ein Ewiges darin verbirgt. Die Träume wollen weiter schreiben.

Warten

Gewartet wurde genug und zulange und niemand hat derweil die Ungeduld verstanden und jeder schiebt die Zeit mit seiner Stange und den Mond zum nächsten Tag herüber. Wer keine Zeit hat, ist schon früh gegangen.

Ausatmen

Ich habe die Gedanken gehört, früher, ehe es begann, war es schon zerstört und luftdicht verschmiert, vakuumisiert. Niemand hat den Zauber des Anfangs verstanden. Dabei, wenn es ist, wird es immer sein – ganz allein der Mut steht da, zu wagen, zu probieren – ja, die bekannte anfängliche Lähmung meiden, sich einmal selbst veratmen und anderen dabei verzeihen.

Erkenntnis

Das Bittere umschleicht zumeist der Schluss – die Täuschung, der man selbst erliegt und die einem blind zum Himmel küsst – zu laut war das Innere und das Wollen, das Haben und das Sein, zu laut war das Trübe im Schein und wer will so des anderen Stimme hören. Das Durchhalten heißt Stille, das Hierbleiben muss Atmen meinen; der unterlegene Wille, nackt da zu stehen, dabei Diana und Actaeon zu rufen, sie bitten, einmal der andere zu sein.

Wie hier oben auf dem Hügel
die Sonne aufgeht
wie der Tag sich langsam
dreht
das Stehen am Mittag
der Kaffeeduft im Zimmer
so, ja so
möchte man meinen
soll bis zum Abendrot
ab heute
immer Sonntag bleiben.

In einem Kreis, inmitten, verweile ich. Niemand setzt auf das, was möglich ist. Derweil wachsen Trauben um die Fenster und der Wind zieht leise um die Ohren.

#Zyklen

22. Juli 2018

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