Gefunden oder …

jedes Jahr kommt der Frühling zurück.

Ist nicht das Geheimnis vom Bleiben … die Möglichkeit, jederzeit aufbrechen zu können?! So ähnlich wie die Liebe nicht vergeht, die nie den Mut findet, eingelöst zu werden.

Ein Blick hinauf zum nächsten Berg – wo die Wolken schneller vorbeizeihen und der Wind wütend ist, wo Gräser sich biegen und die Aussicht schön bleibt, dort, wo das Wasser ganz unbeteiligt aus dem ewigen Brunnen plätschert, sitze ich. Ich bleibe wohl noch eine Weile hier. Kein Briefträger wird diesen Ort finden, daher lasse ich alle Nachrichten von den Vögeln ins Tal bringen. Schafe und Ziegen kreuzen seit jeher die Wege, die hinauf führen und verjagen die, die nicht wissen, welche Pfade zu nehmen sind.

Heute fallen weiße Kugeln vom Himmel. Der März hat sich wieder nicht entscheiden können, ob er Regen oder Schnee schicken soll. So gehe ich durch die Felder ohne nass zu werden, ich schreite durch die Sonnenstrahlen und wundere mich über die Perlen, die sich in meinem Haar verfangen. Es singen die Amseln und Stare mischen sich mit ein, der Frühling wartet zwischen den Ästen mit seinem Lied.

Nichts davon gehört mir, es löst sich auf, zieht vorüber, bleibt. Ich schreibe die Erinnerungen solange auf meine Hand. Geborgt ist alles für ein Dasein. 

Nur in uns ist die Heimat zu erwachen, im Angesicht der kleinen Dinge. Der Geschmack von zerkauten Kaffeebohnen, ein Gesicht, in dem wir Ruhe finden, eine Nachricht, eine Stimme, ein Stück Papier oder das Geheimnis von nie abgeschickten Briefen in einer Schublade. Es gibt Menschen, die sich ein ganzes Leben lang mit dem Fotografieren von Schneeflocken befassen.

An manchen Sonntagen komme ich ins Tal zurück und helfe im Cafe am Fluss aus. Die einfachen Handgriffe beruhigen den Geist; das Spülen der Teller, das Anschneiden der Kuchen, das Brummen der Maschine, das Zischen des Milchaufschäumers, das Aufschreiben der Positionen auf einem alten Briefumschlag. Und auch das Abwischen der Holztische, der Chanson aus der Box, das metallische Scharren der Stühle auf den Fliesen und ein Kopfnicken als Gruß – das alles lässt mich meinen Frieden finden für einen Augenblick.

Und so legt sich der dritte Monat des Jahres in seine Mitte und alles ist in seinem Kreislauf. Und obwohl ich hier und da andere Räume betrete, andere Menschen grüße und einen andere Wege gehe, ist am Ende doch wieder alles da wie immer und abzüglich aller Äußerlichkeiten und Facetten fühlt sich das Leben gleich an, immer noch gleich. Der Kaffee am Morgen, das Warten auf die Morgensonne, die Zwiebeln und Kräuter auf dem Tisch und die Kristalle des Kronenleuchters, die das Licht farbig an die Wand werfen.

Das muss es wohl sein, unterm Strich, das Leben.

 

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