Endlich Februar

Die Holzvorräte neigten sich dem Ende zu, ehe der Monat die Mitte erreicht hatte. Um sie herum sprachen sie nur noch vom erwarteten Frühling und dabei nießten sie vor sich hin und husteten dramatisch. Die Leute beklagten sich über dies und das. Sie stellte die Klappe auf Durchzug.

Es war diese Ruhe in den Straßen und die Stille der Nacht, die den Schlaf erträglich machten. Der Ofen brodelte vor sich hin, es zog durch die Mauerspalten ein kalter Wind über ihre Nase.

Am frühen Morgen legte sie Holz nach. Man hatte ihr versprochen, noch vor dem Frühling ein paar Scheidte zu liefern, aber sie wußte, dass Versprechen hier nichts galten. Mit dem Holzvorat wusste sie zu über die Jahre gut zu haushalten, schließlich war Holz teuer geworden. Mit jedem Jahr zahlte man drauf. Und wenn man bei Anlieferung nicht zu Hause war, dann blieb die Stube im nächsten Winter eben kalt.

An der Decke begann sich ein kleiner Halbkreis abzubilden, scheinbar war das Regenwasser und der Schnee durch die Dachluke hindurch und in die Lehmdecke gezogen. Sie schickte dem Hauseigner ein Bild und gab sich mit der zu erwartenden Ausrede zufrieden, schließlich wohnte sie sehr günstig.

Solange aus der Dusche nicht wieder eiskaltes Wasser kam, war alles gut. Der Mensch wird mit dem Alter genügsamer, das ist wahrlich der einzige Vorteil der sich anhäufenden Jahre.

Eine Nachricht blinkte. Jemand schrieb aus der Ferne und erwartete ihr Erscheinen. Nach all den Jahren hatte sie sich mal wieder überreden lassen. Auf Anraten von Freunden dachte sie darüber nach.

Auf dem Weg dorthin fiel ihr kein Grund dafür ein, dem Versuch zu entkommen. Und kaum hatte sie sich an dem Tisch platziert, hatte ihr Gegenüber nichts beseres zu tun, als zu bemerken, dass ihre Aura die einer bereits vergebenen Dame sei. Sie schwieg, starrte in die vor ihr liegenden Karte und wusste nicht so recht, was sie sagen und was sie bestellen sollte. Sie wartete noch auf eine Eingebung, dachte dabei an das Abkommen und bestellte einen Riesling. Der Abend plätscherte vor sich hin und sie ging nach Mitternacht alleine nach Hause. Was für eine bitterkalte Vollmondnacht das war und die Stadt schlief so fest, so dass sie glaubte, sie wäre die einzige gewesen, die noch wach war.

Froh über die neue Klarheit verbrachte sie die letzten Tage des Winters mit dem Ablauf der Tage, Es gab wirklich nichts, keine Beschwerden. Alles war im Mittelmaß und gut.

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