Gastbeitrag

Der Sommer war sehr lang

Eines Morgens grübelte ich schwer über das Wort “erratisch”. Für einen Roman, so wurde mir empfohlen, müsste ich leichtfüßiger schreiben. Die Menschen wollen abgelenkt werden, weggeführt vom Leben. Dieser Tatsache sei nichts zu entgegnen, dachte ich. Eine Dame verblieb mit wohlwollenden Dankesworten und dem Angebot, mir ein Buch meiner Wahl zu senden – es kam bis heute nicht an.

Ich lese „Gehirn & Geist“ zum Einschlafen. So beginnt der Herbst.

Am nächsten Morgen steht das Telefon nicht still: kurze Nachrichten, lange Nachrichten, Nachrichten. Ich erinnere mich an eine Grafik, die ich bei einem Vortrag über die Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung auf den menschlichen Organismus gesehen habe. Ich lasse das Telefon im Flur liegen. Das ständige Blinken synchronisiert sich mit dem Uhrwerk des alten Weckers im Regal. Das Tick-Tack Klick-Klack erinnert mich an die Wanduhr meiner Großeltern.

Ein Spaziergang wird den Tag retten. Ich suche mir einen Weg, den niemand sonst geht um Gespräche zu meiden. Ich kann gerade nicht zuhören, nach jedem zweiten Satz schalte ich ab oder fange zu gähnen an.

Der Sommer war sehr lang.

 

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