Die Selbstkonstruktion des ewigen Rades

Es ist die Zeit, in der die Menschen die ausgedienten Nadelbäume im halblebenden Zustand auf die Straße kehren.
Ich bin versucht einen Protest anzuzetteln, doch werde ich außen herum geleitet und um Ruhe gebeten.
Nach der zweiten Hausecke atme ich auf. Ob aus Erleichterung oder aus einem anderen Beweggrund spielt am Ende keine Rolle. Manchmal ziehe ich gedanklich in eine Einöde und stelle fest, längst inmitten zu sein – in einer Atmosphäre, die den Geistern nicht entspricht. Nach all den Jahren warte ich vergebens auf die Winde, die die einzelnen chronischen Erdteilchen in Vulkanasche transformieren und in die Höhe schmettern um wenigstens einmal blaue Monde zu Tage zu bringen.
Auf mein Telegramm hin kam keine Antwort – vielleicht hatte man mich ganz und gar vergessen oder hinters Licht geführt. Das Leben ist zu bitter um zu resistieren.
Ach, zum Glück blühen die Schneeglöckchen und der Nachbar mit dem schlechten Musikgeschmack zieht aus.
Der Januar kehrt in jedem Zeitmaß zurück. Wie viele vergängliche Pläne wurden schon ausgearbeitet. Ab jetzt und von nun an studiere ich die frei fliegenden Pflanzen. Beim näheren Hinsehen entdecke ich die seidenen Fäden, an denen sie hängen. Sie behüten wundersam ihre Farbe und haben nur ein wenig Wasser, Luft und Licht nötig. Wie die Lebendigkeit zu erhalten ist, ist als Anleitung beigefügt.
Die Eiswürfel in meinem Kaffee lösen sich auf und der Kaffee tritt über den Rand. Irgendwo gibt es immer ein Stückchen Heimat. Irgendwo macht die Heizung metallisch klirrende Geräusche, steigt die Raumtemperatur nicht über 14 Grad und irgendwo haben die Dachdecker es versäumt die fehlenden Ziegelsteine vor dem Winter einzuhängen. Es zieht wie Hechtsuppe.
Nach dem dritten Buch lege ich den zweiten Absatz beiseite und beschließe alle meine Texte abzuschaffen. Worte wiegen das solidarische Schweigen nicht auf. Das viele Weiß im Zwischenraum übersieht das Wichtige und das Nichtgesagte bleibt als Keim existent – kann fortgeschrieben, neu geschrieben werden, egal von wem.
Ich schaute ein wenig zu lange auf das Bild – aus Versehen oder weil niemand meine Fragen beantwortete. Wenn man zu lange hinschaut, wurde mir versichert, passiert immer etwas, ob man will oder nicht. So ist das Gesetz.
Ich habe mir daher angewöhnt nur noch nach unten oder zu den Wildgänsen zu schauen. Dazwischen bleibt ein flüchtiges Nichts.
REMIS

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