Mina und die Wellen der Vor-Weihnacht

ich drehe die Uhr – noch einmal um – spiele den Film zurück – vielleicht sehe ich mehr – als zuvor – mehr als ein gurgelndes Gemurmel

//: seismische Wellen //

Damit war nicht zu rechnen. Ihn so zu sehen – ihn, mit krummen Rücken, lallend und an einem Freund hängend.
Wäre sein Diener zur Seite getreten, er wäre auf die Pflastersteine gefallen und die Reste hätten die Kehrer im Morgengrauen gefunden.
Er suchte nach Buchstaben, sein Horizont klebte am Schuh des Freundes. Sicher war, er konnte sie nicht sehen.
Sie malte ein Bild unter dem Licht der Laternen mit schattierten kreuzenden Schritten in Schieflage und seinen Haaren, die Linien im Schnee zogen.
Wie sie den nächsten Tresen erreichten, blieb offen. Es waren wohl die göttlichen Gesänge der Sirenen.
Sie schaute noch einmal hin um sich nicht zu irren.
Sein Antlitz der Stunde – ohne Stolz, ohne Übermut und ohne die immerwährende Durchdringlichkeit der Augen – machte ihn für eine Sekunde zu einem sympathischen Mensch.

// seismische Wellen ://

Ob es eine Wahl gebe, zu schreiben – das war an diesem Abend wohl nicht mehr zu klären.
Die Erkenntnis führt durch Leid. Am Morgen ist die Hälfte fort. Da hilft nur noch Zwiebelbrot zum Frühstück und Ingwertee.

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